Offener Brief: Jugend(verbands)arbeit und Jugendsozialarbeit / Straßensozialarbeit während des Lock-Downs im Blick behalten

30.10.2020

An die Ministerpräsidentin Manuela Schwesig     

                                                                                                                                     Schwerin, 30. Oktober 2020   

Sehr geehrte Frau Ministerpräsidentin Schwesig,  

in Anbetracht der aktuellen Entwicklungen des Coronavirus wollen wir den Blick auf das Wohl von Kindern und Jugendlichen in diesem Land werfen.

Der erneute Lock-Down innerhalb eines Jahres ist für alle Menschen in diesem Land mit Verzicht und Entbehrungen verbunden. Für junge Menschen ist zu bedenken, dass sie sich außerhalb ihrer Funktion als Schüler*innen im privaten Bereich der Familie in Strukturen bewegen, die von ihren Sorgeberechtigten gestaltet werden.

Um diese Familiensysteme in diesen belastenden Pandemiezeiten zu entlasten, sind unterstützende Angebote außerhalb von Schule für Kinder, Jugendliche und Familien absolut wichtig. Jugend(verbands)arbeit und Jugendsozialarbeit/ Straßensozialarbeit ist mehr als Freizeit! Die Arbeitsfelder haben eine präventive Wächterfunktion und bilden zeitgleich eine wichtige Betreuungsstruktur außerhalb von Schule und Familie. Sie sind somit systemrelevant für das System Familie!

Wir möchten unseren Teil dazu beitragen, die Corona Infektionszahlen zu reduzieren und als Gesellschaft die Folgen einer weltweiten Pandemie solidarisch zu tragen. Daher sind wir im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit bereit, mit gemeinsamen Schutzmaßnahmen uns den aktuellen Bedingungen anzupassen. Gleichzeitig warnen wir aber ausdrücklich davor junge Menschen nur in Ausbildungskontexten zu denken!

Gerade in der aktuellen Lage ist es absolut relevant, Solidarität und gemeinsame Stärke als Gesellschaft zu beweisen! Junge Menschen wurden in den letzten Wochen medial oft als verantwortungslos dargestellt. Befragungen bewiesen jedoch das Gegenteil.[1] Auch unsere verbandliche Perspektive zeigte auf, dass junge Menschen Unterstützungen, Hol- und Bringdienste für Menschen der Risikogruppe anboten. Es wurden mit knapper digitaler Ausrüstung Angebote in den digitalen Raum verlagert, bei Hausaufgaben geholfen oder gemeinsame online Spieleabende angeboten.

Letztendlich bleibt nicht die Frage, wen diese Krise wie hart trifft, sondern wie wir es gemeinsam schaffen, so unbeschadet wie möglich durch die nächsten Monate zu kommen. Wir bitten Sie, Kinder und junge Menschen im Blick zu haben. Dazu benötigt es unbedingt eine klare Beschlusslage, die den Mitarbeitenden Sicherheit in ihren Arbeitsfeldern gibt!  

Mit freundlichen Grüßen  

Der Vorstand des LJR M-V e.V.

Marieke Bohne (BDP M-V), Dr. Ina Bösefeldt (Arbeitsgemeinschaft der Ev. Jugend M-V), Johannes Beykirch (Arbeitsgemeinschaft der Ev. Jugend M-V), Tobias Packhäuser (ver.di Jugend Nord), Ingo Trusheim (Jugendfeuerwehr M-V), Markus von Jan (Kreisjugendring Ludwigslust-Parchim e.V.), Patrick Kunze (BDKJ) 

[1] https://www.presseportal.de/pm/44027/4741028 [Zugriff am 29.10.2020]


Der Offene Brief kann hier abgerufen werden: PDF